Igel im Winterschlaf

Sonntag, 15. November 2009

- Video und Aufnahmen: Renate Siedentopf -

Vor zwei Wochen irrte ein mittelgroßer Igel tagsüber hier in meinem Garten herum. Er war sehr stark am torkeln und ich musste ihn mir genauer ansehen. Als ich Katzenfutter anbot, hat er fleißig gegessen und hatte sichtlich sehr großen Hunger. Mich beunruhigte, dass er immer wieder beim essen mit dem Köpfchen im Napf einschlief. Also habe ich ihn gewogen, dann im Karton mit Deckchen verstaut und eine Tierärztin angerufen. Da er weder am husten oder niesen war und soweit gesund aussah machten wir uns weiterhin keine sorgen. Die Tierärztin beruhigte mich und meinte er begibt sich in den Winterschlaf, daher schläft er immer wieder über den Napf ein. Ich bin dann zum Dehner und habe erstmal Heu, Heuhäuschen, Späne und Flohmittel gekauft. Daheim habe ich dann ein schönes Nestchen mit dem ganzen gemacht und meinem Igel das Flohmittel aufgetragen. Täglich habe ich ihm mit frischem Futter und Wasser versorgt - er hat aber nichts mehr gegessen und lag nur im Heuhäuschen eingeknuddelt auf dem Heu. Ich überprüfte mehrmals täglich ob er noch lebt und bei jeder leichten Berührung von mir, zuckte er leicht zusammen.
Es kamen etwas kältere Tage und am 5. Tag als ich ihn leicht berührte, war er stocksteif. Sehr traurig nahm ich an, dass er es doch nicht geschafft hat und Gestorben ist. Nun besorgte ich mir eine Schaufel und überlegte, wo ich mein Findelkind wohl beerdigen könnte. Mich störten erstmal die tausend Flöhe die im Heu herumhüpften und entsorgte erstmal das Heu und stellte das Heuhäuschen weit weg ins Freie. Ich war sehr traurig und konnte mich nicht entscheiden, wo ich den Igel nun begraben werde. Es fing zu regnen an und somit brachte ich den Igel erstmal mit der Schaufel unter einem Busch und bin in meiner Wohnung gegangen.
Meine Gedanken kreisten nur noch um den Igel und meine Entscheidung, dass ich mich um ihn kümmern wollte. War die Entscheidung richtig? Hätte er es ohne meine Hilfe eher doch noch geschafft?
2 Tage später störte mich der Begriff "Winterschlaf" gewaltig und ich recherchierte im Web. Folgendes bekam ich zu lesen:
Im Winterschlaf sind alle Lebensfunktionen auf Sparflamme gesetzt. Die Stoffwechselvorgänge werden auf durchschnittlich 1-5 % im Vergleich zum aktiven Tier reduziert:
- Die Körpertemperatur sinkt in die Nähe der Umgebungswerte
- Die Herzschläge vermindern sich von ca. 200 auf 2-12 pro Minute
- Die Atemfrequenz sinkt von 50-mal auf nur 13-mal pro Minute
- Sonstige Werte in inneren Organen verändern sich rapide, z.B. sinkt der Blutzuckerspiegel
Bei etwa 5° C Außentemperatur produziert der Igel wieder Wärme, um eine Minimaltemperatur zu erhalten und nicht zu erfrieren.

Ein Schauer ging durch meinen Körper und so rannte ich gleich zum Busch, wo ich den "toten" Igel erstmal deponiert hatte. Als ich den Igel mit der Hand aufgehoben hatte, merkte ich bereits, dass er nicht mehr so stocksteif war und langsam am "auftauen" war. Wie froh war ich, dass ich ihn nicht begraben hatte. Ich habe dann gleich wieder ein Bettchen für den Igel vorbereitet und ihn nun wieder geschützt vor der Kellertüre gestellt. Gespannt bin ich nun ob er den Winter auch überleben wird. Futter werde ich immer wieder auswechseln und ab und zu nach ihm schauen - mehr kann ich sowieso nicht für den Igel tun. Ob er nun lebt oder Tod ist, werde ich sowieso erst erfahren, wenn sich ein Gestank einstellt. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass er noch lebt und hoffe und bete, im Frühjahr mit einem aus dem Winterschlaf aufwachenden Igel überrascht und erfreut zu werden.

Nun stelle ich mir die Frage. Schade - warum ist es uns Homo Sapiens nicht möglich, dass wir uns in einen Winterschlaf begeben können? Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen. Nach ein paar Monaten aufzuwachen und gleich ein paar Kilos weniger zu wiegen, ohne vorheriger Diät. Nein, sogar vorher sich die Wampe richtig voll hauen und dann einfach ein wenig schlafen gehen. Auch bei der Rauchentwöhnung bestimmt ein großer Vorteil. Man möchte mit dem rauchen aufhören? Also bis zum Winter schön weiter qualmen und sich dann einfach in einen Winterschlaf begeben und nach ein paar Monaten einfach als Nichtraucher aufwachen. Bestimmt einfacher als die Art wie ich mit dem rauchen aufgehört hatte, mit Entzugssymptomen wie Schlaflosigkeit, Depressionen, Wassereinlagerungen usw. Einfach die Sucht verpennen *g* - finde ich viel besser!!! Alkoholiker und Drogenabhängige könnte man auch so heilen. Bestimmt auch ein großer Vorteil für die Menschen, die im Winter unter Depressionen leiden - durch den Winterschlaf erleben sie keinen Winter und sind somit frei von Depressionen!!!
Also ein Appell an die Wissenschaftlern - erfindet doch bitte einen Weg oder ein Hormon, womit wir unsere Körpertemperatur drosseln können, wir unsere Lebensfunktionen auf Sparflamme setzen können und unsere Stoffwechselvorgänge reduzieren können, damit wir uns in einen Winterschlaf begeben können.

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Balzende Igel

Donnerstag, 24. Juli 2008


- Video: Renate Siedentopf -

Zu meiner größten Freude, durfte ich gestern Abend das Balzverhalten 2er Igel beobachten, filmen und fotografieren. Ach wie schön, wenn die Natur uns manchmal seine Geheimnisse offenbart! Ich kann solches natürlich dann auch sehr genießen. Leider kam es nicht bis zur Kopulation. Die Umwerbung bis zur Kopulation kann angeblich mehrere Nächte dauern und Untersuchungen haben ergeben, dass weniger als 10 Prozent der Umwerbung in einer Kopulation endet. Ich lag dort im Gestrüpp mit Käfern und Spinnen die auf mich herumkrabbelten. Sie wurden durch das Licht angezogen und nachdem ja die fetten Zecken auf den Igeln nicht zu übersehen waren, fühlte ich mich irgendwann nicht mehr ganz wohl dort im Gestrüpp. Ruckartige Bewegungen damit ich das krabbelnde Geziefer loswerden kann, konnte ich natürlich nicht machen aus Angst die Igel damit zu verscheuchen. Die Igel haben sich vom Licht nicht stören lassen und zeitweise kamen sie mir zu nahe an der Kamera und musste ich meine Hand etwas zurück ziehen. Daher ließ ich sie dann doch lieber in Ruhe mit der Hoffnung bald Kleine zur Gesicht zu bekommen.

Männchen erwachen vor den Weibchen aus dem Winterschlaf. Sie beginnen sofort nach dem Erwachen mit der Nahrungsaufnahme, um an Gewicht zuzulegen. Etwa 3 bis 4 Wochen nach den Männchen tauchen die Weibchen aus dem Winterschlaf auf. Zu diesem Zeitpunkt erweitern die Männchen ihr Streifrevier auf der Suche nach einer potentiellen Partnerin. Daher konnte ich mittlerweile erkennen, dass der etwas dickere Igel das Männchen war und das ständig schnaubende Igel das Weibchen. Wenn sich ein Männchen einem Weibchen nähert, reagiert dieses meist sehr aggressiv wie ersichtlich in meinen Aufnahmen. Dies drückt sich durch Senken des Kopfes und lautes Schnauben aus.Schön zu beobachten war, wie das Männchen immer wieder sein Köpfchen vor Demut senkte.  Das Männchen umkreist das Weibchen und stößt dabei hochfrequentierte Töne aus. Zwischendurch versucht das Männchen immer wieder aufzureiten. Dies gelingt jedoch nur selten. Nur wenn das Weibchen ein Männchen akzeptiert, gelingt die Kopulation, die für Säuger in der typischen Aufreitposition erfolgt. Das Weibchen legt ihre Stachel flach an den Körper und den Bauch auf den Boden, um dem Männchen das Eindringen zu erleichtern. Während des Aufreitens hält sich das Männchen mit den Zähnen an den Stacheln des Weibchens im Schulterbereich fest.

 
Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie schön die Welt ist, und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen, in irgend einer Pflanze, einem Stein, einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.
- Rainer Maria Rilke -

 
Ich bin für die Rechte der Tiere genauso wie für die Menschenrechte. Denn das erst macht den ganzen Menschen aus.
- Abraham Lincoln -

 
Mit allen Kreaturen bin ich in schönster Seelenharmonie. Wir sind verwandt, ich fühle es innig, und eben darum liebe ich sie
- Wilhelm Busch -

 
Die Mitteilungsmöglichkeit des Menschen ist gewaltig, doch das meiste, was er sagt, ist hohl und falsch. Die Sprache der Tiere ist begrenzt, aber was sie damit zum Ausdruck bringen, ist wichtig und nützlich. Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge
- Leonardo da Vinci -

 
Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.
- Charles Darwin -

 
Wunder stehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern nur im Gegensatz zu dem, was wir über die Natur wissen
- Augustinus -

 
Der Spiegel der Natur ist der klarste Spiegel! Ihn muss man schauen, an ihm sich ergötzen.
- Fjodor M. Dostojewski -

 
Die Hochzeit der Seele mit der Natur macht den Verstand fruchtbar und erzeugt die Phantasie.
- Henry David Thoreau -

 
Der untrüglichste Gradmesser für die Herzensbildung eines Volkes und eines Menschen ist, wie sie die Tiere betrachten und behandeln.
- Berthold Auerbach -

 
Jedes Naturgesetz, das sich dem Beobachter offenbart, lässt auf ein höheres, noch unerkanntes schließen.
- Alexander von Humboldt -

 
Liebe zur Natur ist die einzige Liebe, die menschliche Hoffnungen nicht enttäuscht.
- Honoré de Balzac -

 
Einen Lehrer gibt es, wenn wir ihn verstehen – es ist die Natur.
- Heinrich von Kleist -

 
Dass uns der Anblick der Tiere so ergötzt, beruht hauptsächlich darauf, dass es uns freut, unser eigenes Wesen so vereinfacht vor uns zu sehen.

- Arthur Schopenhauer -


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